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Interview Wohn Idee: Trendentwicklungen im Interior Design | Frank A. Reinhardt

14. Mai 2019 von farconsulting
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Frank A. Rein­hardt in einem Trend-Inter­view in der Wohn­zeit­schrift Wohn Idee (Aus­ga­be 04/​2019)

 

Was sind die Key­words der imm 2019, und warum werden uns diese Themen in Zukunft beschäftigen?
Die Key­words wie bei­spiels­wei­se „Warmer Mini­ma­lis­mus“ oder „Public-Pri­va­te“ dienen als Ori­en­tie­rungs­mar­ken zu den Ein­rich­tungs­trends, die sich zu Jah­res­be­ginn auf der imm colo­gne zeigen. Da es diver­se Ent­wick­lungs­li­ni­en gibt, spre­che ich von Key­words, die pla­ka­tiv die neuen Ein­rich­tungs­ideen aufgreifen.

Rückt 2019 ein beson­de­res Möbel­stück oder ein beson­de­rer Raum in den Fokus?
Da die Woh­nung immer mehr zum Lebens­mit­tel­punkt wird, haben Stühle und große Tische für unsere sozia­len Events Hoch­kon­junk­tur. Außer­dem suchen wir einen Extra-Lieb­lings­platz in der Woh­nung, daher boomt der Armlehnstuhl.

Man sah ja ziem­lich viele Rot­tö­ne auf der Messe. Schein­bar hat Pan­to­ne mit der Trend­far­be ‚Living Coral‘ dies­mal ins Schwar­ze getrof­fen. Wieso ist die Farbe so erfolgreich?
Ja, Rot ist ein Thema, und auch Pas­tell-Töne sind ange­sagt, daher passt Living Coral da gut hinein – aber daraus den Farb­trend für die Inte­rior-Bran­che zu machen, halte ich für über­trie­ben. Zur­zeit gibt es eigent­lich keine soli­tä­ren Trends mehr.

Kommen noch andere Trend­far­ben auf uns zu?
Die Ein­rich­tungs­welt ist farbig – das ist der eigent­li­che Trend. Welche Farben dabei vorne liegen, ist nicht ein­deu­tig. Neben dem wei­ter­hin tra­gen­den Trend einer von Natur- oder auch Pas­tell­tö­nen beglei­te­ten hellen Grau­pa­let­te, die aber weni­ger skan­di­na­visch inspi­riert erscheint als von Natur und Ethno-Moti­ven, gibt es zwei wich­ti­ge Rich­tun­gen: bunt und dunkel-ele­gant, wobei hier wohl am ehes­ten noch das Dun­kel­grün her­vor­zu­he­ben wäre.

Werden wir in Zukunft schnör­kel­lo­ser oder opu­len­ter wohnen?
Tat­säch­lich wird es lang­sam wieder mini­ma­lis­tisch in unse­ren Woh­nun­gen, und wir wollen Deko- und Gebrauchs­ge­gen­stän­de weg­räu­men können. Clean Desk ist das pas­sen­de Stich­wort. Weil wir es zuhau­se trotz­dem gemüt­lich haben wollen, ist dieser Mini­ma­lis­mus wärmer und nicht so kon­se­quent, wie Ver­tre­ter des Bau­hau­ses es sich viel­leicht gewünscht hätten.

In der Instal­la­ti­on ‚Das Haus‘ gab es kaum Stau­raum, und das Aus­mis­ten ist sowie­so voll im Trend. Werden wir in Zukunft ohne viel Bal­last leben?
Das ist ein Ideal. Wie­weit wir das umset­zen, ist indi­vi­du­ell sehr unter­schied­lich. Tat­sa­che ist doch: Wenn unsere Woh­nun­gen wieder auf­räumt aus­se­hen sollen, brau­chen wir mehr Stau­raum. Das ist der Luxus der Zukunft. Die einen schaf­fen Platz unterm Bett, im Keller oder in einem grö­ße­ren Wohn­zim­mer­schrank, die ande­ren haben begeh­ba­re Klei­der­schrän­ke oder ein Gar­ten­haus. Auch Miet-Sto­rage wird auch bei uns zuneh­mend ein Thema.

Wenn unsere Woh­nun­gen wieder auf­räumt aus­se­hen sollen, brau­chen wir mehr Stau­raum. Das ist der Luxus der Zukunft. Frank A. Reinhardt

Und für die, die an ihren Hab­se­lig­kei­ten hängen – welche Stau­raum­mö­bel sind auf dem Vormarsch?
Das Side­board feiert ein Come­back. Auch Vitri­nen oder moder­ne Küchen­schrän­ke mit Glas­ein­sät­zen werden wieder mehr nach­ge­fragt, da wir unsere – mög­lichst weni­gen – Lieb­lings­stü­cke und Kult­ge­gen­stän­de zur Schau stel­len wollen. Viele Möbel werden auf klei­nem Raum platz­spa­rend opti­miert: klap­pen, schie­ben, Mul­ti­funk­tio­na­li­tät sind gefragt, und erste Lösun­gen waren auch auf der imm colo­gne 2019 zu finden.

Ele­gan­tes Art-Déco, pop­pi­ges Mem­phis-Design und der Dau­er­bren­ner Mid-Cen­tu­ry: Warum sind Retro-Ele­men­te so beliebt?
Sie stehen für ein Lebens­ge­fühl, in dem man noch bedin­gungs­los an den Fort­schritt glaub­te. Ihre gefäl­li­ge, form­schö­ne For­men­spra­che ruft in uns tra­dier­te Erin­ne­run­gen hervor und zahlt in die Themen Gemüt­lich­keit und Wohn­lich­keit ein.

Und was sind die maß­geb­li­chen Merk­ma­le des Möbel­de­signs unse­rer Zeit?
Da gibt es viel­fäl­ti­ge Ten­den­zen. Prak­ti­ka­bi­li­tät scheint mir gerade bei den jün­ge­ren Desi­gnern wieder im Fokus zu stehen. Hier sieht man ande­rer­seits auch Bei­spie­le für eine neue Ästhe­tik mit betont klo­bi­gen Ele­men­ten. Die eta­blier­ten Marken setzen eher auf gedie­ge­ne For­men­spra­che, die mal betont volu­mi­nös, mal sehr fein­glied­rig inter­pre­tiert wird. Auf­fäl­lig ist auch, dass es wieder mehr Muster auf dem Möbel selbst gibt statt nur auf der Tapete. Durch­ge­hen­des Merk­mal neben Design- und Qua­li­täts­ori­en­tie­rung ist nun end­lich die Nach­hal­tig­keit in der Ein­rich­tung. Die Men­schen wollen han­deln und nicht mehr nur diskutieren.

Gibt es ein Möbel­stück, das Sie sich in diesem Jahr unbe­dingt ins Haus holen möchten?
Die Inte­rior Desi­gner haben den Spie­gel als Deko-Objekt ent­deckt: mal in Grup­pie­rung meh­re­rer Spie­gel an der Wand, mal als Kos­me­tik­spie­gel im Wohn­be­reich, oder ein­fach ein­zeln oder zu meh­re­ren auf den Boden gestellt. In unse­rem neuen Wohn­zim­mer macht sich das gut, weil die drei boden­ste­hen­den Spie­gel auch den Raum vergrößern.

Frank A. Rein­hardt, Inha­ber einer Agen­tur für Con­tent-Ent­wick­lung und ‑kom­mu­ni­ka­ti­on, ana­ly­siert seit über 20 Jahren die Trans­for­ma­ti­on von Pro­duk­ten durch Medien, Kon­su­men­ten und den Zeit­geist. Der diplo­mier­te Pro­dukt­de­si­gner war als Pro­dukt­ma­na­ger tätigt, publi­zier­te als Jour­na­list und freier Redak­teur in Fach­ma­ga­zi­nen (Sani­tär­design, Wohnen & Life­style, Mar­ke­ting, Pro­dukt- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign) und ver­öf­fent­lich­te Stu­di­en zur Kon­sum­for­schung. Heute betreut seine Kölner Agen­tur Indus­trie­un­ter­neh­men, Ver­bän­de und Mes­se­ge­sell­schaf­ten und ver­sorgt sie mit Kon­zep­ten, Bil­dern, Events, Videos und Texten.